Der kleine Mann

wiederentdeckt vom neuen Kanzlerkandidaten der SPD                                                                         von Katrin Alapas frei nach Ma/En/Pi

MARTIN SCHULZ, der inszenierte Retter der SPD geht in eine durchdringende Tonlage. Er will Eliten entmachten und dem kleinen Mann die Stimme zurückgeben.

http://dkp-online.de/uz/fotos/13020201.jpgDas will er anscheinend erreichen, indem alles so bleibt wie es ist, denn eine zentrale Aussage von Schulz ist, dass „Wir (…) in der Kontinuität dessen bleiben (müssen), was wir bereits erreicht haben“. Also zum Beispiel: Leiharbeit, Niedriglöhne, Hartz-Gesetze, durchlöchertes Mindestlohn-Gesetz oder sinkende Renten. Waffenhandel & Kriegspolitik, inkonsequente Umwelt- und neoliberale Gesundheitspolitik.

Aber um erneut in politischer Verantwortung zu stehen muss sich die SPD „wieder stärker ihrer traditionsreichen Geschichte als Arbeiterpartei bewusst zu werden und vor allem die Menschen in den Fokus nehmen, „die malochen müssen“: „Die SPD muss zeigen: Wir wissen, wie hart ihr arbeitet“, sagte Schulz. Menschen, die gewissenhaft ihre Steuern zahlten oder alte Angehörige pflegten, verdienten größten Respekt. Diese Anerkennung müsse die Sozialdemokratie durch ihr politisches Handeln zum Ausdruck bringen. „Diejenigen, die die Gesellschaft tragen, müssen das Gefühl haben, dass die Gesellschaft sie respektiert und für sie da ist“, „Bei vielen hart arbeitenden Leuten, die sich an die Regeln halten, ist dieses Gefühl verloren gegangen.“

http://www.rotfuchs.net/files/rotfuchs-ausgaben-bilder/RF225/rf225-29_857x768.pngAlso bisher kommt nichts konkret verbesserndes für die Zielgruppe der SPD rüber, außer, dass die SPD DEN KLEINEN MANN zum Nulltarif haben möchte. Denn anerkennende Worte und Respekt sind Gefühle und Worte – sie kosten nichts.

Worte kosten nichts, aber die Kosten für DEN KLEINEN MANN sind/ bleiben enorm. Nehmen wir als Beispiel einen Lebensnerv des kapitalistischen System, den Konsum und die Schulden mit den dazu gehörenden Zinsen.

Natürlich muss im Kapitalismus bekanntermaßen am Ende die Zeche bezahlt werden. Aber die bezahlt meistens nicht derjenige, der sich vorher gut vollgefressen hat. Beispiel: Wenn DER KLEINE MANN seinen Freund 5.000 Euro leiht und der Freund kann das Geld nicht zurückzahlen hat DER KLEINE MANN, volkstümlich gesprochen , die Arschkarte.

Wenn eine Bank 100 Milliarden Euro einem Staat leiht und der Staat den Kredit nicht zurückzahlen kann, ist wieder DER KLEINE MANN der Verlierer, denn er muss die bittere Pille schlucken und durch seine Steuerlast diese Kreditschuld tragen. Ja, das können diese Banker gut: Sie schreien gegen das Recht auf Arbeit für DEN KLEINEN MANN, aber verlangen von den Regierungen „öffentliche Unterstützung, also das Recht auf Profit auf Staatskosten.

Diese Karte wird immer gespielt, wenn alles verzockt ist. Und DER KLEINE MANN lässt mit sich spielen. DER KLEINE MANN ist somit immer der Verlierer, weil er sich nicht wehrt und seine Schlächter immer wieder selber wählt.

Das ganze Wachstum in Westeuropa und den USA ist mit Schulden finanziert wurden, die zur Schuldenkrise führten. Wie nun aber aus der Schuldenkrise raus? Durch Wachstum natürlich. Wie das Wachstum finanzieren? Durch Schulden. Da fällt einem glatt das Lied „Ein Loch ist im Eimer …“ ein. Das die sogenannte freie Marktwirtschaft Wohlstand für alle herstellen kann, ist eine Halluzination, hervorrufen, durch die süße Droge Schulden. Diese Droge war und ist immer verfügbar, beim Dealer, dem Banker. Jetzt jammert der Dealer, dass der Süchtige die Drogen nicht mehr bezahlen kann, denn der Preis für die Drogen sind u.a. die Zinsen und auf die will der Dealer auf keinen Fall verzichten, und der Staat kann auf den Dealer nicht verzichten, weil er systemrelevant ist. Bluten muss DER KLEINE MANN, der darf dann durch harten Entzug seinen Lebensstandard verlieren.

http://3.bp.blogspot.com/-KQ3gZDuAFG4/WFvH2iVnPKI/AAAAAAAAEFo/fd2YC9XFekAFah1OdRnKiHIPI6HOrh2kwCK4B/s340/BTW%2B17%2BUnterst%25C3%25BCtzung.PNG                                                                                                       Also: In der Finanz-/Schuldenkrise ist nur eines sicher: Auch der nächste finanzpolitische Befreiungsschlag wird zielsicher erneut in der Magengrube der kleinen Leute landen, wenn sie sich nicht dagegen wehren. Ein erster Schritt wäre: Leuten wie Schulz nicht mehr auf den Leim gehen.

Zur Vertiefung: Dieter Süverkrüp Das gesunde Volksempfinden

(YouTube-Einsteller: Nicht sehr an Aktualität verloren würd ich sagen, außer das das gesunde Volksempfinden gelernt hat, sich äußerlich von „den Braunen“ abzusetzen, und den liebsten Hauptfeind den Juden jetzt gegen den „Moslem“ eingetauscht hat.)

02.02.2017 UZ-Chefredakteur Lucas Zeise zu Martin Schulz:

Kann man sagen, dass die SPD mit Martin Schulz noch weiter nach rechts rückt? Wahrscheinlich schon. Schulz ist noch stärker eingebunden in die Pläne und Strategien des deutschen Monopolkapitals. Er hat seine Karriere im Apparat und Parlament der EU gemacht. Er repräsentiert damit die enge Bindung der SPD an das EU-Projekt. Neben der kleinen FDP ist die SPD wahrscheinlich am stärksten Pro-EU-Partei. Sie ist in dieser Hinsicht für das deutsche Kapital besonders wertvoll, weil weniger geneigt als CDU/CSU, nationale Interessen aufdringlich in den Vordergrund zu rücken. Außerdem hat die SPD immer noch erhebliche Bindungskraft für die deutsche Arbeiterklasse. Der künftige SPD-Parteichef Martin Schulz ist das wandelnde Bündnis aus Sozis und Konservativen zu Nutz und Frommen der EU. (aus dem Zeise-Referat auf der 7. Parteivorstandstagung der DKP, 28./29. Januar 2017)

Weitere Stellungnahmen zum aktuellen Kanzlerkandidaten der SPD:

Neoliberaler Marktschreier, Klaus Wagener zum neuen SPD-Vorsitzenden Martin Schulz

Ein klassischer Sozi, findet „Die Zeit“, Tolle Typen, schöne Worte: Martin Schulz beginnt seinen Wahlkampf von Nina Hager