§ 219a

Im Juni 1995 verabschiedete der Deutsche Bundestag ein für die Bundesrepublik neues Abtreibungsrecht. Schwangerschaftsabbruch in den ersten 12 Wochen ist, wenn die Frau eine vorgeschriebene Beratung absolviert hat, straffrei, wenn auch nicht rechtens. Die Beratung soll – so die damalige Ministerin Claudia Nolte – ergebnisoffen, aber nicht zieloffen sein. Das alles war für viele Frauen (und Männer) in Westdeutschland eine gute Botschaft, weil eine Verbesserung, eine Modernisierung gegenüber der Vergangenheit. Für die Ostdeutschen Frauen nicht.

In der DDR  gab es bereits seit dem 14. Dezember 1971 eine gesetzliche Regelung, wonach bis zum Ablauf von 3 Monaten jede Frau selbst entscheiden konnte, ob sie ihre Schwangerschaft unterbrechen möchte, ohne dass irgendjemand sie zielorientiert beriet.

Heute findet in Deutschland eine Debatte um den § 219a statt, der die Werbung für den Schwangerschaftsabbruch verbietet. Darunter fällt auch, dass Gynäkologinnen und Gynäkologen diese ärztliche Leistung nicht einmal auf ihrer Webseite oder in Broschüren über ihre Praxis erwähnen dürfen.

In Deutschland werden immer weniger Schwangerschaftsabbrüche in Praxen und Krankenhäusern durchgeführt. Nicht nur in Bremen /  Bremer-haven machen sich die Folgen bemerkbar.Pro Familia befürchtet, dass sich in wenigen Jahren die Situation katastrophal zuspitzen werde, wenn Politik nicht reagiert.

Wie schlimm die Situation schon ist, zeigte sich in Bremen, wo man sich zu einem politischen Plazebo hinreißen ließ, indem man eine Ärztieliste herausgebrachte. Kleiner Schönheitsfehler: Kein einziger niedergelassener Arzt in Bremen steht auf dieser Liste. Weil eben nicht sicher ist, ob ein Verfahren droht. rb

  • Wir fragen: Will das politisch verantwortliche Personal überhaupt in Sinne der Frauen reagieren?
  • Bewegen wir uns nicht vielmehr mit dem jetzigen politischen Personal auf eine  sozialreaktionäre Gesellschaft zu, die alle erkämpften sozialen Fortschritte Schritt für Schritt mit scheinheiligen Argumenten beseitigt oder  beseitigen will? Ein AfD-Abgeordneter, der stellvertretend für viele Abgeordnete des Bundestages sprach, brachte mit seinen abwertenden Altmännergeschwätz die Bevormundung der Frauen auf den Punkt, in dem er zur Debatte um den § 219a sagte: *Das ungeborene Leben müsse „gegen Mütter geschützt werden“.
  • Die DKP hält es  im Gegensatz dazu mit Fidel Castros Meinung: „Die Frau ist eine Revolution innerhalb der Revolution. Sie muss ihren schöpferischen Geist, ihren Enthusiasmus  organisieren und  aktivieren, damit auch das letzte Überbleibsel der Diskriminierung der Frau verschwinde und sie wegen ihrer Tugenden und Verdienste den Platz in der Geschichte einnimmt, der ihr gebührt.“  Worte, die altmännerschwätzende Typen, wie wir sie kennen, schwerlich verstehen können.

Jane Zahn: Deine eigene Frau

  • Wirst als Mädchen du gebor´n,
    hast du schon das Spiel verlor´n:
    Artig musst du sein und niedlich,
    spielst mit Püppchen, appetitlich,
    was zwischen den Beinen ist,
    das berührst du besser nicht!
  • Mädchen weinen immer gleich,
    wehr´n sich nie, sind brav und weich,
    tragen unbefleckte Kleidchen,
    lernen nie, sich zu verteid´gen …
  • Lesen Sie hier unter > Lyrik Jane Zahn: Deine eigene Frau weiter

Im Folgenden verweisen wir auf zwei vertiefende Artikel:

Schwangerschaftsabbruch in der BRD und der DDRIn anderen Umständen – seit 20 Jahren  und  Zur Debatte um den § 219a