Ein Name der wie ein Stolperstein wirkt

Das Neustädter Schulzentrum an der Delmestr. beabsichtigt im Schulgebäude C eine Installation die an die Bremer Holocaustüberlebende Inge Katz erinnern soll. Inge Katz wurde 1924 geboren, war Jüdin und zurzeit der faschistischen Machtergreifung mit 8 Jahren selbst Schülerin an der Schule.

Nun würde sich das Schulzentrum Neustadt gerne nach Inge Katz benennen, darf das aus  Vorschriftsgründen bisher aber noch nicht, weil eine Richtlinie besagt, dass eine Schulumbenennung nach lebenden Personen nicht möglich sei. Nach Presseinformationen steht die zuständige Senatorin für Kinder und Bildung, Claudia Bogedan (SPD), dem Vorhaben der Schule grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber. Sie unterstützt das Ansinnen, um ein Zeichen gegen Ausgrenzung zu setzen.

„Bei uns sitzen alle Schüler in der ersten Reihe“, benennt Schulleiterin Judith Mahlmann das interne Leitbild der Schule. Dieses habe sich nach einer Lesung des Buches „Roses in a Forbidden Garden: A Holocaust Love Story“ entwickelt. Katz‘ Enkelin Elise Garibaldi beschreibt dort unter anderem, wie sich die heute 95-Jährige nach der Nazi-Machtergreifung Schikanen ausgesetzt sah. So durfte sie nur noch in der letzten Reihe im Klassenraum sitzen.*

Für die Umbenennung hat das Neustädter Schulzentrum die Rückendeckung der Schulkonferenz. Die Abstimmungen an der Schule ergaben: Die Lehrer*innen stimmen mit 75 Prozent und die Schüler*innen mit 73 Prozent für die Umbenennung.

Stolperstein für Dr. Abegg

Es ist klar, dass man aneckt, wenn man eine multikulturelle Schule wie unsere nach einer Jüdin benennen will. Aber genau das möchten wir. Der Name soll wie ein Stolperstein zum Nachdenken anregen und Diskussionen fördern“, sagte Schulleiterin J. Mahlmann.

Belastende Schulzeit

Inge Katz, die heute Inge Berger heißt, wuchs als Verfolgte in Bremen auf. 1942 wurde sie, weil sie Jüdin war, von den Nazis mit ihrer Familie ins KZ Theresienstadt abtransportiert, weil sie wie so viele andere nicht in das menschenverachtende Rasse-Ideal des Deutschen Reiches passten. Doch auch schon vorher hatte sie keine einfache Kinderzeit und ist nur mit Minderwertigkeitskomplexen aufgewachsen.

„Als SA-Männer in der Nacht des 9. November das Haus der Familie Katz stürmen, brennen sich die Bilder der Zerstörung in Inges Gedächtnis: die zerschnittenen Fotos, die zertrümmerte Standuhr ihres Großvaters, das zertretene Porzellan auf dem roten Teppich, das dem 14-jährigen Mädchen erscheint „wie Schnee im November“. **

Link zur VVN/BdA Bremen

Der Ausgangspunkt für dieses menschenverachtende Verhalten der braunen SA-Schergen waren die sogenannten Nürnberger Rassegesetze. Das war die juristische Grundlage der antisemitischen und rassistischen Ideologie der Hitlerfaschisten – die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung wurde damit nicht nur legal, sondern gar gesetzlich verordnet.

Im Konzentrationslager

Eines Tages trifft Inge im KZ auf Schmuel Berger, einen jungen Tschechen, der wie sie zu den Gefangenen zählt. Sie wehrt sich gegen die Verliebtheit, ein, wie ihr scheint, lächerlich banales Gefühl im Angesicht des Todes. Doch dann gibt sie nach, geht zögernd auf seine Avancen ein. Es beginnt eine vorsichtige, tastende Liebe zwischen Schichtende und Sperrstunde, die Inge daran erinnert, „wie schön es sein konnte, am Leben zu sein“. Als Schmuel Berger im Herbst 1944 erfährt, dass er nach Auschwitz gebracht werden soll, bricht Inge zusammen. Nur die Hoffnung darauf, ihn irgendwann wiederzusehen, lässt sie durchhalten. Zum Abschied überreicht er ihr eine weitere verbotene Blume: eine rote Rose.

Wie so viele andere Millionen Menschen wurde Familie Katz zuerst verfolgt, entrechtet, gedemütigt und im KZ physisch und psychisch misshandelt. Doch sie hatten Glück. Im Mai 1945 wird das KZ Theresienstadt befreit, ihre Eltern und sie kehren nach Bremen zurück. Inge kann Berger nicht vergessen und sucht ihn jahrelang. Schließlich finden sie einander und heiraten, 1955 emigrieren sie nach New York. Als Berger 2006 stirbt, sind sie fast 60 Jahre verheiratet.“ **

Die heute 95-Jährige ist eine der letzten Bremer Holocaustüberlebenden. Der Grund warum sie 1955 auswanderte, war, dass ihr unter der faschistischen Herrschaft die Heimatgefühle genommen wurden.

Wir Bremer Kommunisten*innen, von denen sehr viele ebenfalls unter dem Hitlerfaschismus gelitten und gekämpft haben, unterstützen vom ganzen Herzen das Vorhaben des Neustädter Schulzentrums ihre Schule in Inge Katz-Schule umzubenennen und wünschen viel Erfolg.

„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

(Schwur der befreiten Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald)

Kathrin Alapas, Bremen


* Bremer Nachrichten 18.11.2019   |  ** Bremer Nachrichten 12.12.2018

Bus und Bahn werden teurer

Die Stadt den Menschen und nicht dem Profit

Zur Schuldenbremse, siehe *)

Täglich ärgern wir uns mehr über Staus auf den Straßen, über mangelnden Parkraum und zunehmende Luftverschmutzung in unserer Stadt. Es ist das Ergebnis einer verfehlten Verkehrspolitik, die in den vergangenen Jahrzehnten betrieben wurde.

Mobilität gehört zu den wichtigsten Aspekten im städtischen Leben. Egal ob auf dem Weg zur Arbeit, zu Besorgungen, zu Familie oder Freund*innen oder in der Freizeit – Mobilität und Bewegungsmöglichkeiten prägen unseren Alltag. Gerade für eine Stadt wie Bremen, die sich auf zwei Seiten der Weser erstreckt ist die Gewährleistung von Mobilität eine grundsätzliche Lebensfrage. Verkehr bedeutet aber heutzutage vor allem Stress, Lärm und Feinstaubbelastung. Überhöhte Fahrpreise, überfüllte Busse in den Spitzenzeiten, zu lange Taktzeiten und eine oft mangelhafte Verbindung von Stadtteilen sind die Folge. Und auch das Fahrradfahren wird in Bremen im täglichen Verkehrsstress an sehr vielen Verkehrspunkten zu einem gefährlichen Abenteuer. Deshalb sind Fahrpreissenkungen eine geeignete Maßnahme, um einen ineffizienten Automobil-Individualverkehr zu überwinden.

Aus dieser Gemengelage heraus lehnen wir Kommunisten*innen die beschlossene Fahrpreiserhöhung von 1,6 Prozent ab. Ab dem 01.01.2020 soll eine Fahrt mit Bus und Bahn in Bremen 2,85 Euro kosten. Vor zehn Jahren kostete das Ticket 2,30 Euro. Auch wenn es zwei Verbesserungen in den unterschiedlichen Tarifangeboten gibt, rechtfertigt das die Preiserhöhung nicht, die von der BSAG mit Inflationsausgleich begründet wird.

Wir Bremer Kommunisten­*innen fordern vom Bremer Senat

  • Wir brauchen eine deutliche Verkehrswende.
  • Weniger Verkehr in der Innenstadt, darum zügiger Ausbau der geplanten autofreien Bremer Innenstadt
  • Weniger Autoverkehr bedeutet weniger schlechte Straßen. Das dann gesparte Geld kann somit in den Ausbau des ÖPNV investiert werden.
  • Anstatt die Fahrpreise zu erhöhen müssen sie verbilligt werden. Am besten ein kostenloser ÖPNV, wie er schon in anderen Städten angeboten wird.
  • Für den Ausbau des Angebots im öffentlichen Nahverkehr: Mehr Personal, bessere Anbindung der abgelegenen Stadtteile, Verkürzung der Taktzeiten, vor allem in den Abendstunden und an Wochenenden
  • Ausbau des Radwegenetzes mit geeigneten Fahrradstraßen, Fußwegen und Querungen über die Weser
  • Für die Rücknahme der Preiserhöhung und Erhöhung der Subventionierung durch den Bremer Senat, damit es tatsächlich zu der angestrebten Verkehrswende kommt.

Wir benötigen nicht noch mehr PKWs auf den Straßen, sondern mehr Raum und Sicherheit für Fußgänger, für Radfahrer und für einen ÖPNV, der preiswert, komfortabel und schnell den sicheren und umweltfreundlichen Transport der Menschen in unserer Stadt sicherstellt.

DESHALB, JA ZUM AUSBAU DES ÖPNV UND ZU FAHRPREISSENKUNGEN!


*) Schuldenbremse: Zur Landeshaushaltsordnung NRW erklärt Anja Weber, Vorsitzende des DGB NRW: „Die Vorstellung, dass Schulden per se etwas Schlechtes sind, ist falsch.“ Vielmehr sollte die Landesregierung gerade in Zeiten von niedrigsten Zinsen darauf bedacht sein, ihren Gestaltungsspielraum zu erhalten und die finanziellen Möglichkeiten der Kommunen zu erweitern. Wir benötigen mehr Investitionen und weniger Sparappelle.

buten un binnen gegen Venezuelas Regierung

Berliner Bündnis Hände weg von Venezuela04.03.2019: In der heutigen buten un binnen-Sendung von Radio Bremen konnten zwei Exil-Venezolaner über die Lage in Venezuela berichten, die natürlich erneut die bekannten negativen Szenarien wiederholten, so z.B. dass Maduro sein Volk verhungern lässt.

Sie erwähnten nicht, dass es schon seit längerem eine umfassende Blockade und Wirtschaftssanktionen gegen das Land gibt, sodass es kaum möglich ist, auf dem Weltmarkt entsprechende Waren einzukaufen. Dem Wirtschaftskrieg gegen das Land zum Trotz subventioniert die venezolanische Regierung weiter Lebensmittel, die dann zu vergünstigten Preisen verkauft werden. Sechs Millionen Familien mit im Schnitt vier Mitgliedern werden so jeden Monat durch die „Lokalkomitees für Versorgung und Produktion“ (CLAP) versorgt.

Weiter verschwiegen die Exil-Venezolaner, dass die Korruption, das Wirtschaftschaos, die Inflation alles Ergebnisse einer kapitalistischen Krise in Venezuela sind, die innere und äußere Faktoren hat. Äußere Faktoren sind die massiven wirtschaftlichen Sanktionen seitens der USA, der EU und ihrer Vasallen. Innere sind die Zurückhaltung von Waren, wie z. B. durch den Lebensmittelmonopolisten Polar oder der illegale Export der von der venezolanischen Regierung subventionierten Nahrungsmittel durch reaktionäre oppositionelle Kräfte. Die Verantwortung dafür wird wie üblich dem Sozialismus angehaftet, der nur Misswirtschaft, Hunger und Krise hervorbringt.

Unsere beiden Exil-Venezolaner sprachen mehr oder weniger der Regierung von Präsident Maduro auch noch jegliche demokratische Legitimität ab. Dabei unterschlugen sie, dass die regierende PSUV, der Maduro angehört und die von Chavez gegründet wurde, eine sozialistische Massenpartei mit etwa 7 Millionen (!) Mitgliedern ist. Das sind 14 Mal so viele Mitglieder wie alle deutschen Parteien zusammen haben.
Präsident Maduro wurde zweimal in international beobachteten Wahlen zuletzt mit über 5,8 Millionen Stimmen gewählt.

Internationaler Hintergrund und Bestätigung der demokratischen Legalität von Nicolás Maduro:

Immer dann, wenn den USA ein Wahlergebnis eines anderen Volkes nicht gefällt, bezweifeln sie mit ihrer Pressemonopolmacht die Fairness und Freiheit der Wahl. Nicolás Maduro hatte bei der letzten Wahl 5,8 Millionen Stimmen erhalten, sein größter Konkurrent, Henri Falcón, bekam 1,8 Millionen Stimmen. Die anderen hatten zusammen weniger als eine Million, so dass Maduro mt 68 Prozent der abgegebenen Stimmen wiedergewählt wurde. Die Wahlbeteiligung lag bei 46 Prozent. Nicolás Maduro wurde immerhin von 31 Prozent der Wahlberechtigten seines Landes gewählt.
Hillary Clinton lag mit 65,4 Millionen Stimmen rund 2,6 Millionen Stimmen vor Donald Trump (62,8 Millionen Stimmen) bei einer Wahlbeteiligung von 55 Prozent. Der an Stimmen unterlegene Trump wurde Präsident. Donald Trump wurde von 27 Prozent der Wahlberechtigten seines Landes gewählt – jeweils Stimmenanteil mal Wahlbeteiligung, nur so kann man das für die Länder vergleichen.
„Für faire und freie Wahlen“, klingt immer gut, aber wer hat die Definitionsmacht, was freie und faire Wahlen sind?
Sowohl Nicolás Maduro als auch Donald Trump haben ihre Mehrheit im Parlament bei den jeweils letzten Parlamentswahlen verloren. Nur der Parlamentspräsident Venezuelas, Juan Guaidó, wird von der Bundesregierung als Übergangspräsident anerkannt, nicht jedoch die Parlamentspräsidentin der USA, Nancy Pelosi, die mit ihrer Parlamentsmehrheit gegen ihren Präsidenten Trump die dortige Opposition anführt.
Wenn schon Einmischung in innere Angelegenheiten, dann bitte auch gegen die USA. Sonst ist es nur Imperialismus.                                Ralf Cüppers

Bremerhaven braucht vier neue Schulen

… und Public-Private-Partnership soll die Lösung sein
Kluges Finanzierungsmodell? oder: Gefahr für die Stadtkasse

Der Investitionsstau in den deutschen Kommunen beträgt rund 159 Milliarden Euro, wie der „Deutsche Städte und Gemeindebund“ vor kurzem betonte. Diese Zahl ist gewaltig und, da der Trend seit langer Zeit stets nach oben zeigt, auch noch eher zu niedrig als zu hoch gegriffen. Konkret wird diese Summe bei einem Rundgang durch unsere Städte und Gemeinden.

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100 Jahre Niederschlagung der Bremer Räterepublik: Aus eurem Kampf für Heute lernen

3.2.2019: 200 Teilnehmer*Innen ehrten heute die Verteidiger der Bremer Räterepublik. Sie ehrten Menschen, die einen mutigen Versuch wagten, die Welt menschenwürdiger zu gestalten, eine neue, eine bessere, eine gerechtere Ordnung zu errichten.

Sie hatten vor 100 Jahren  den Mut, den Schritt zu tun, den sie für notwendig hielten, um die Ereignisse der November-Revolution zu bewahren. Sie glaubten nicht der einseifenden Parole „Die Sozialisierung marschiert“ – während in Wirklichkeit Regierungstruppen und Freikorps gegen das Volk marschierten. Das aber war der Reichsregierung, der es um die Löschung des »radikalen Brandherdes« Bremen ging, alles ziemlich egal. Weiter ließen sie verbreiten, dass die »Spartakisten« in der Stadt an der Weser das Auslaufen von Schiffen verhindern würden, die für den Transport amerikanischer Lebensmittel vorgesehen seien.

Gustav Noske setzte am 28. Januar ein 3.500 Mann starkes Freikorps, die sogenannte Freiwilligen-Division Gerstenberg, gegen die Stadt in Marsch. Am 30. Januar erreichte die Nachricht vom Anmarsch der Regierungstruppen Bremen.

Wenn wir das damals Geschehene heute nicht so sehen würden, ständen wir nicht alljährlich an der Gedenkstätte auf dem Waller Friedhof in Bremen, viele von uns schon seit Jahrzehnten. Wir wollen die Verteidiger der Räterepublik nicht heroisieren, aber wir wollen, dass sie geachtet werden und dass ihnen Gerechtigkeit widerfährt. Ohne Blutvergießen war die Räterepublik von den Arbeitern und Soldaten errichtet worden, aber blutig wurde sie niedergeschlagen.

Lesen Sie hier die neue Broschüre zur Bremer Räterepublik

Zum wiederholten Male moderierte Raimund Gaebelein (Bild) von der VVN/BdA das alljährliche Räte-Gedenken. Die Redner_Innen am 100. Jahrestag der Niederschlagung der Bremer Räterepublik waren u.a. Annette Düring vom DGB Bremen und ein Genosse vom DKP Bezirk Bremen.

Was Annette Düring in ihrem Redebeitrag sagte, lesen Sie hier  /  West-Kurier: West, Seite 3 vom 07-02-2019

Was der DKP-Redner sagte , lesen Sie hier